Dienstag, 27. Juni 2017

Ernst Mosch und seine Banater Schwaben

„Mir ging es mit den Egerländern nicht um Stimmungsmusik; ich wollte eine ausgefeilte Blasmusik machen. Eine Musik, bei der man glaubt, da spielen Streicher. Denn bei richtiger Blasmusik darf nichts knattern.“ Dieses Credo stammt vom erfolgreichsten Blasmusikdirigenten der Welt, Ernst Mosch, Gründer und Leiter der Original Egerländer Musikanten. Es gibt sicherlich unzählige Musiker, die Egerländer Blasmusik spielen, aber nur wenige , die den hohen Ansprüchen des Meisters genügen. Ernst Mosch erklärt das Erfolgsrezept seiner auch über den deutschen Sprachraum hinaus sehr beliebten Egerländer Blasmusik nicht mit seinem eigenen musikalischen Einfühlungsvermögen und seiner künstlerischen Kreativität, sondern mit einer jahrhundertealten Musiktradition einer von der Geschichte oft unsanft gebeutelten mitteleuropäischen Region. Sein Loblied auf die Blasmusik ist auch eine Ehrenbezeugung an die verlorene Heimat: „So wie die Ungarn in ihrer Puszta-Musik, die Wiener mit ihren Liedern unerreicht sind, so waren es meine Landsleute in der Blasmusik.“ Diese sowohl im Präsens als auch in der Vergangenheit formulierte Aussage enthält die ganze Tragik von Flucht und Vertreibung. Die Puszta-Musikanten und die Wiener Liedermacher gibt es nach wie vor und wahrscheinlich noch lange. Aber die Egerländer? Ernst Mosch ist wohl einer der wenigen, die die Blasmusik, die ihnen von den Vätern im Egerland in die Wiege gelegt wurde, noch hegen und pflegen. Viele seiner nach heutigen Maßstäben von unvorstellbarem Idealismus geprägten Mitstreiter der ersten Stunde – zehn (10) DM gab’s im Gründerjahr der Original Egerländer Musikanten (1956) für eine Aufnahme vom Süddeutschen Rundfunk – haben ihre Instrumente längst an den berühmten Nagel gehängt. Junge Musiker sind nachgerückt, und erfreulicherweise kommen gleich vier von ihnen aus dem Banat. 
Hans Kaszner bekam den ersten Musikunterricht vom Vater, dem Jahrmarkter Kapellmeister Hans Kaszner sen. Nach dem Besuch des Temeswarer Musiklyzeums Ion Vidu studierte er am Klausenburger Konservatorium Posaune. Seinen beruflichen Werdegang begann er im Orchester der Temeswarer Staatsoper. Bei unseren Landsleuten war Hans Kaszner besonders als Sänger bekannt und beliebt. Mit seinem Kommilitone Josef Stritt aus Saderlach ließ er in den ausklingenden siebziger Jahren so manche/n Banater Schwäbin/Schwabe für ein paar selige Stunden die Alltagssorgen und die geistigen Belastungen der damals schon allseits spürbaren Auswanderungsagonie vergessen. Der Journalist Balthasar Waitz schrieb am 14. Juni 1980 unter der Überschrift „Lieder, die Freude schenken“ in der NBZ: „Ein Festival der rumäniendeutschen Volks- und Schlagersänger könnte ein sicherer Publikumserfolg werden. Hier nur einige der bekanntesten Banater Sänger: Walter Berberich, die Geschwister Liese Lotte Merle, Hans Kaszner jun., die Geschwister Gertrude und Elfriede Focht u. a.“ Bereits zwei Jahre später verließen Hans Kaszner und sein Bruder Helmut auf abenteuerliche Weise Rumänien. Die zwei jungen Musiker sahen im damals bis zur Absurdität ideologisierten Kulturbetrieb Rumäniens keine persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten mehr. Der rasche Verfall aller deutschen Werte im Banat sollte ihnen Recht geben. In Wiesbaden fand Hans Kaszner eine neue musikalische Heimat im Hessischen Polizeiorchester. Umtriebig, wie Vollblutmusiker nun mal sind, versuchte er die Bühnenatmosphäre seiner Banater Jahre wiederzubeleben. Das Schwabenecho entstand schließlich 1987 aus dieser mit Nostalgie angehauchten künstlerischen Unruhe, und wer dieses Orchester kennt, weiß, daß es höchsten musikalischen Maßstäben entspricht. Im gleichen Jahr schafft Hans Kaszner als erster Banater Schwabe den Sprung ins erfolgreichste Blasorchester der Welt, die Original Egerländer Musikanten, wo er – wie Ernst Mosch in der Gründerzeit – Tenorhorn spielt.
v.l.: Helmut Kassner, Hans Kaszner,
Ernst Mosch, Franz Tröster
Foto: Privat
Der musikalische Werdegang der Brüder Kaszner / Kassner ist bis zu ihrer Flucht aus Rumänien fast identisch. Im November 1981 schrieb die Tageszeitung NEUER WEG zum Galakonzert der „Pipatsch“-Kür in der Temeswarer Olympiahalle: „Es gab da nicht nur das, was man ganz allgemein als ‚echte Blasmusik‘ bezeichnet, es gab da auch Konzertstücke – Die Teufelszunge, eine Konzertpolka, die vom jungen Helmut Kassner (damals noch Kaszner, A.d. Bloggers) hervorragend gespielt wurde - ...“ 1982 war Helmut Kassner Student am Gheorghe-Dima-Konservatorium in Klausenburg. In der Bundesrepublik setzte er sein Trompetenstudium an der Karlsruher Musikhochschule fort. Heute arbeitet er als freiberuflicher „Engagement-Musiker“, wie unlängst eine Reutlinger Zeitung ihn einstufte, sehr erfolgreich in vielen Orchestern Deutschlands. Verpflichtungen als Solotrompeter beim Pfalztheater in Kaiserslautern, in der Badischen Staatskapelle Karlsruhe und in der Philharmonie Reutlingen gehören ebenso zu seinem künstlerischen Schaffen wie verantwortliche Jugendausbildung in zwei Musikschulen und drei Musikvereinen. Aber die Blasmusik, die kann er nicht lassen. Erfolgreiche Blaskapellen besetzen ihr erstes Flügelhorn- oder Trompetenpult regelmäßig mit Helmut Kassner. Daß Ernst Mosch eines Tages nach einer solchen Visitenkarte seine Fühler ausstreckte, hat Kenner der Szene nicht mehr überrascht. Seit fünf Jahren ist Helmut Kassner erster Flügelhornist der Original Egerländer Musikanten.
„Neuer Name am Musikfirmament – Franz Tröster“, betitelte die in Bukarest erscheinende Zeitschrift VOLK UND KULTUR in ihrer Oktober-Ausgabe 1985 einen ausführlichen Bericht über einen Hoffnungsträger der Banater Bläserschule. Die Kritik zu einem aufgeführten Trompetenkonzert von Georg Philipp Telemann war äußerst positiv: „Franz Tröster setzte mit einer traumwandlerischen Sicherheit ein, sein Ton war rein, klar, strahlend, die schwierigsten Passagen des Konzertes spielte er mit der Selbstverständlichkeit eines routinierten Solisten, mit einer Leichtigkeit, die angesichts der Jugend dieses Instrumentalisten verblüffend war.“ Auch für den in Deutschbentschek geborenen Franz Tröster führte der Weg zum Berufsmusiker über das Ion-Vidu-Lyzeum und des Gheorghe-Dima-Konservatorium. Heute unterrichtet er Trompete an der Jugendmusikschule Pforzheim, nimmt ein Engagement am Stuttgarter Musical Miss Saigon wahr und frönt seinem Hobby, der Blasmusik, in vielen bekannten Kapellen. Seit 1990 ist Franz Tröster als Trompeter bei den Konzerten und Studioeinspielungen der Original Egerländer Musikanten dabei.
Oswald Windrich
Foto: https://www.die-egerlaender.de/
Als vierter und jüngster im Bunde der Banater Musiker Ernst Moschs, die ihre Liebe zur Blasmusik auf ihre Banater Abstammung zurückführen können, agiert der in Jahrmarkt geborene Tubist Oswald Windrich. Die ersten musikalischen Gehversuche absolvierte er in der Kaszner-Kapelle, aber unter den Argusaugen seines als Militärmusiker aktiven Vaters. Der Einstieg ins Musikstudium erfolgte dann – wen wunderts noch – übers Ion-Vidu-Lyzeum. Auf der Staatlichen Hochschule für Musik Heidelberg-Mannheim vervollkommnete er seine Kenntnisse, die ihm den Einstieg ins Lehramt (Musiklehrer an der Musikschule Altensteig) und in den professionellen Kulturbetrieb (Tubist im Theaterorchester Pforzheim) ermöglichten. Bei unseren Landsleuten in Deutschland hat „Ossi“ sich besonders als Moderator und Showman des Schwabenechos einen guten Namen gemacht. Sein Weg zu Ernst Mosch führte ebenso wie bei Franz Tröster und den Kass(z)ner-Brüdern über viele berühmte Blaskapellen, deren Scheiben regelmäßig im Handel anzutreffen sind.
Anton Potche

aus BANATER POST, München, 11. Dezember 1995

Dienstag, 20. Juni 2017

Dienstag, 30. Mai 2017

Eine Weihnachtsgeschichte für groß und klein

Wie würden wir reagieren, wenn am Heiligen Abend ein mitleiderregender Bettler, mit einem frierenden Mädchen an der Hand, an die Tür unserer warmen, beleuchteten und mit Geschenken vollgestopften Herberge klopfen würde? Ja, wenn wir dann noch bei zögerlichem Hinschauen feststellen würden, dass beide zu den Menschenkindern gehören, deren Behausung ein von Pferden gezogener Planwagen ist?
Friedensstörer am Heiligen Abend, vor unserer Tür; welch eine Verhöhnung unserer zivilisierten, ach so christlich, abendländischen Welt. Wieviel Türen würden sich da wohl öffnen? Viele würden bestimmt vor den flehenden Gestalten krachend zuschlagen.
Aber die vorurteilsfreie Phantasie kindlicher Liebe öffnet am Heiligen Abend die Herbergstüren sperrangelweit, denn es gibt an diesem Abend keine Reichen und Armen, keine Übersättigten und Bedürftigen, nicht in einer unbelasteten Kinderseele. Wer am Heiligen Abend mit offenem Herzen gibt – von seinem Überfluß, nur von seinem Überfluß - , erfährt Dank und wird mit Glücksgefühlen beschert, aus denen er/sie noch lange Kraft für den Alltag schöpfen kann.
Diese Botschaft vermittelt die bewegende Weihnachtsgeschichte Die Bescherung, die kürzlich im Coppenrath Verlag erschienen ist. Das von Ingrid Kesper textgetreu bebilderte Büchlein kann selbst ein beglückendes und gleichsam besinnliches Weihnachtsgeschenk sein, doch nicht eins, auf das man wartet, sondern das man sich selbst zulegt oder gerne zum Feste schenkt.
Der Autor dieser Geschichte kennt die Menschen am Rande der Gesellschaft, verbrachte er doch selbst seine Kindheit an der geographischen Grenze der Jahrmarkter Dorfgemeinschaft. Er spielte auf der „Tscharda“ und sah jahrein, jahraus den „Wagen, über den sich ein rundes Dach spannte“ über die alte Landstraße holpern. Heute ist er ein erfolgreicher Schriftsteller, „de Tscharde Pit“ alias Peter Grosz.
Wir sollten uns Die Bescherung am Heiligen Abend 1995 nicht entgehen lassen.

Anton Potche 

Peter Grosz & Ingrid Kasper: Die Bescherung; Coppenrath Verlag, Münster, 1995; ISBN 3-8157-1144-4; (bei verschiedenen Internetportalen erhältlich ab 4,00 EURO).

aus BANATER POST, München, 11. Dezember 1995

Dienstag, 16. Mai 2017

Johrmarker Sprich un Sprichelcher - 91

De schlechte Leit geht's immer gut.




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Gsammelt vum Frombach Franz alias Gerwer Franz  (1929 - 1999)

Dienstag, 9. Mai 2017

Blasmusikklänge im Banat

HS – Busiasch. Großer Andrang herrschte Sonntag im Park des bekannten Banater Kurortes Busiasch., wo das fünfte Landesfestival der Bläserkapellen in Szene ging, das vom Temescher Zentrum für Volkskunstschaffen alljährlich, am letzten Sonntag des Monats Juni, in dieser Banater Ortschaft organisiert wird. Ausgezeichnete Leistungen boten, so Ladislau Czizmarik vom Haus für Volkskunstschaffen, die Blaskapelle des Kulturheims aus Jahrmarkt unter der Leitung von Matthias Loris, sodann die Bläser des Kulturhauses aus Agnetheln und des Betriebs IMMR 16. Februar aus Cluj-Napoca. Reich mit Beifall belohnt wurden ferner die Kapellen des Lugoscher Textilunternehmens sowie die Bläser aus Neupetsch, Großjetscha, Brateş (Kreis Covasna), Sebisch (Arad) und Lăpuşnicu Mare (Karasch-Severin). Beteiligt waren auch die Dorfkapellen aus Tschene, Grabatz, Tschanad, Schandra und die Blasmusikanten aus Jimbolia und jene des Temeswarer Unternehmens für öffentlichen Verkehr. Dieses Festival erfreut sich immer größerer Beliebtheit.






aus NEUE BANATER ZEITUNG, Temeswar, 
1. Juli 1980