Dienstag, 20. Februar 2018

Dienstag, 13. Februar 2018

Banater Kulturspiegel, Juli 1979 - Juni 1980

S. 45 - Juli - [...] Im Temeswarer Opernsaal bieten schwäbische Kulturgruppen und Solisten ein Musik- und Tanzprogramm dar. Es beteiligen sich der Schubert-Chor unter Leitung von Prof. Adrian Nucă-Bartzer, die Jahrmarkter Blaskapelle unter der Stabführung von Prof. Matthias Loris, die Marienfelder Tanzgruppe, die Kulturgruppe aus Lowrin, Lowriner und Temeswarer Folksänger, die Schauspieler Hans Kehrer, Elisabeth Kölbl, Adele Radin u. a. Die Darbietung wurde für die deutsche Sendung des Bukarester Fernsehens aufgezeichnet, für deren Gesamtgestaltung Nikolaus Berwanger zeichnete. [...]
S. 45 - August - [...] 178 Temescher Teilnehmer am zweiten Festival „Cîntarea României“ wurde von der Landesjury ausgezeichnet. Unter den Laienkunstschaffenden erhielten u. a. zweite Preise: der Temeswarer Schubert-Chor unter Leitung von Prof. Adrian Nucă-Bartzer, das Folk-Duett Ramona Nauy – Irmgard Holzinger (Lowrin), III. Preise die von Prof. Matthias Loris geleitete Blaskapelle des Jahrmarkter Kulturheims, die schwäbische Tanzgruppe von Marienfeld, Peter Berberich (Hatzfeld), Josef Klein (Temeswar), und die Kunstfotografen Robert Moser und Rudolf Sandor (ebenfalls Temeswar). Einen I. Preis erhielt die rumänische Abteilung des Lugoscher Volkstheaters mit Hans Kehrers Stück Narrenbrot. Für die deutsche Darbietung desselben Stückes wurden die Neupetscher Laienspieler mit einem IV. Preis ausgezeichnet, ebenso die Lowriner Kulturgruppe, die eine Gedichtmontage in schwäbischer Mundart darbot. Unter den Temescher Berufskünstlern wurden u. a.  ausgezeichnet: der Chor der Staatsphilharmonie „Banatul“, die Cellistin Alexandra Guțu, Dirigent Nicolae Boboc, die Schriftsteller Nikolaus Berwanger und Ivo Muncian, der Schauspieler Mátray Lászlo, die Gesangsolistin Mariana Drăghicescu (I. Preis), das Balletensemble der Temeswarer Rumänischen Oper, die Ballettänzer Francisc Valkay und Dumitru Manolache, die Ballettänzerin Elisabeth Lux, das Streichquartett „Timișoara“, die Pianistin Ingrid Szirovatka, der Geiger Dragoș Cocora u. a. [...]
S. 49 - Februar - [...] Die Jahrmarkter Loris-Kapelle gibt ein Festkonzert u. a. mit Kompositionen von Peter Loris, dem Urgroßvater des Kapellmeisters Matthias Loris. [...]
S. 49 - März - [...] Unter der Ägide des Temescher Kreisrates der deutschen Werktätigen bietet die Jahrmarkter Loris-Kapelle – Dirigent Prof. Matthias Loris – in der Olympiahalle ein großangelegtes Konzert dar. [...]

aus NBZ-Volkskalender 1981 / Temeswar, September 1980

Dienstag, 6. Februar 2018

Moderne Kunst in Ingolstadt

Annemarie Juhasz aus Temeswar im „MO“
Bei einer Kunstausstellung spielt auch das Ambiente eine wichtige Rolle. In der Regel stellen zeitgenössische Künstler ihre Werke in Galerien, Museumshallen, Foyers oder auch in Kundenräumen von Banken aus, schlicht überall dort, wo eine der Kunstrezeption dienliche Atmosphäre der Ruhe und Ernsthaftigkeit herrscht. Und trotzdem gibt es auch eine zweite, eher unkonventionelle Art von Kunstrepräsentation. Als „Kunst in der Kneipe“ ist sie besonders in den Großstädten nicht mehr aus heutigen Ausstellungsmodalitäten wegzudenken. 
Die Ingolstädter Altstadtkneipe „das MO“, zentral, mit Münsterblick gelegen, hat sich schon lange dem Daseinssinn „Kunst-Musik-Lebensart“ verschrieben. Man setzt sich an den Tisch, bestellt sich einen Cappuccino und lässt seine blicke durch die Runde schweifen. Die Wände sind immer mit Bildern behangen. Zurzeit sind es Werke von Annemarie Juhasz, geb. 1949 in Temeswar und jetzt in Ingolstadt beheimatet. 
Als die experimentierfreudige und mutige – Selbstzweifel und Drang ans Licht der Öffentlichkeit fanden ihre Kriegsschauplätze schon immer in Künstlerseelen – Autodidaktin sich vor einem Jahr zum ersten Mal in die aktive Kunstszene wagte, sprach die Ingolstädter Künstlerin Gerda Büttner Biernath von einer Frau, die schon in ihrer Temeswarer Kindheit „die Gegenstandslosen, die Abstrakten, die Konstruktivisten, die Konkreten“ verehrte. Wassilij Kandinskij und Victor de Vasarély stehen als geistige Paten.
Zwei rote Punkte, 1995
Nun sitzt man da und beginnt sich in die 20 Bilder zu vertiefen, regelrecht hineinzudenken, zu träumen. Was mögen sie wohl bedeuten? Wo versteckt sich die wahre Botschaft der Künstlerin? Es sind doch nur geometrische Figuren, farbige, streng abgegrenzt voneinander, dann aber wieder zueinander strebend. Merkwürdig. Diese zwei roten Punkte in der gelben Allee, umsäumt vom stark zwischen hell- und dunkelgrün kontrastierenden Kork. Sie suggerieren einem Temeswarer vielleicht zwei sich suchende Liebende. Aber Rot, mein Gott, ja Liebe, aber auch so viel Leid hat diese Farbe über die Menschheit gebracht. Es ist am besten, man fragt erst gar nicht nach der Symbolik der einzelnen in Acryl, Acryl + Öl, Acryl + Kork gemalten Bilder.
Jedes der Werke sagt wohl einem jeweils anderen Betrachter etwas anderes. Sie regen alle zu Gedankenspielen über die Zukunft, aber auch zum Zurückdenken an. Ja, und verharrt man dann zuletzt bei den „12 Elementen“ aus Acryl (85x130), dann ist man spontan in die Sorglosigkeit glücklicher Kinderjahre katapultiert. So viel Fröhlichkeit, kindliche Stimmigkeit, Kindergartenatmosphäre.
Ohne Titel, 1995
Der Cappuccino ist kalt. Die Bedienung freut sich über das Trinkgeld. Sie hat es für einen Kunstgenuß bekommen. Die Gemeinschaftsausstellung „Ohne Titel – Zwei rote Punkte“ von H. E. Gabriel (Maler, Graphiker, Bühnenbildner, Journalist gewesener Leiter des firmengeschichtlichen Archivs der Audi AG) und Annemarie Juhasz konnte bis zum 22. April 1996 in der Kunstkneipe „das MO“ besichtigt werden.

Mark Jahr

aus DER DONAUSCHWABE, Aalen, 28. April 1996

Dienstag, 30. Januar 2018

Johrmarker Sprich un Sprichelcher - 102

Des passeert norr alle heilichi Zeit.

☻     ۩     ☺
Gsammelt vum Frombach Franz alias Gerwer Franz  (1929 - 1999)

Dienstag, 23. Januar 2018

Großjetscha: Kerwei der Generationen

Heuer sind es 200 Jahre, seit in der stattlichen Banater Großgemeinde Kerwei gefeiert wird. Um in würdigem Rahmen das Jubiläum dieses beliebtesten Volksfestes zu begehen, waren am Sonntag in Großjetscha groß und klein auf den Beinen. Unter den Klängen der Jahrmarkter Loris-Kapelle (Leiter Prof. Matthias Loris) marschierten 64 Trachtenpaare mit vier Rosmarinsträußen, die von Barbara Wetzler und Eva Trendler geschmückt worden waren, durch die Dorfgassen und danach zum Kulturheim. Dem Zug voran ging Kerweikellner Josef Gänger. Mit den von Lehrer Anton Weber verfaßten Kerweisprüchen in deutscher Sprache und in banatschwäbischer Mundart begrüßten die Geldherren Hans Griffaton mit Maria Griffaton und Peter Bottmer mit Magdalena Bottmer unter dem geschmückten Kerweibaum die zahlreichen Gäste von nah und fern. Den Strauß ersteigerte Wendel Düpree für seine Frau Susanne. Danach zog der neunjährige Diethard Lang die Zettel aus der Plastiktüte, um die Gewinner von Hut und Tuch zu ermitteln. Das Tuch ging an Margarete Düpree, der Hut an Adam Düpree. Als die Loris-Kapelle den Radetzkymarsch anstimmte, begab sich der Kerweizug in den Kulturheimsaal, wo Kindergartenkinder, Schüler und Verheiratete, die alle in der Großjetschaer Tracht gekleidet waren, vier schwäbische Volkstänze darboten, die Gerlinde Vollmer, Katharina Mettler und Elfriede Neidenbach mit den Tänzern einstudiert hatten. […]

aus NEUE BANATER ZEITUNG, Temeswar, 11. November 1980

Dienstag, 16. Januar 2018

Gäste im Maximilianeum

Ingolstädter BDVler besuchten den Sitz des Bayerischen Landtags

Wie kommen Ingolstädter Vertriebene und Aussiedler zu einem Landtagsbesuch im Maximilianeum? Ganz einfach: Johann Metzger, von Geburt Banater Schwabe und im unverklärten Verhältnis zu seiner Abstammung seit vielen Jahren Vorsitzender der Vereinigung der Banater Schwaben in Ingolstadt e.V., aus geschichtlicher Gesinnung Vorsitzender des BDV-Kreisverbandes Ingolstadt und aus politischer Überzeugung stellvertretender Vorsitzender des Ingolstädter CSU-Kreisverbandes sowie Stadtrat, als Ausdruck praktischen Bürgerdienstes, übermittelt den Wunsch einiger BdV-Mitglieder, den Landtag in München zu besuchen, Hermann Regensburger (CSU), Mitglied des bayerischen Landtags, Staatsskretär im Bayerischen Innenministerium und Stadtrat in Ingolstadt. Dieser beauftragt sein Ingolstädter Büro, und Frau Schweiger (Sekretärin) vereinbart mit Metzger einen Besuchstermin. Für 48 Mitglieder des Ingolstädter Kreisverbandes des Bundes der Vertriebenen, unter ihnen auch mehrere Banater Schwaben, fiel dieser Termin auf den frühlingshaften 27. Februar 1996.

Ja, und wie das im Leben so ist, war Dr. Manfred Schumann, Ingolstadts OB-Kandidat der SPD und MdL, der erste, der der Besuchergruppe in der Eingangshalle des Maximilianeums über den Weg lief. Die Begrüßung war freundlich. Hallo! Man kennt sich doch. Schließlich waren auch gestandene Sozialdemokraten in der Gruppe. Der BdV ist eben ein parteiübergreifender Verband. Auch Albert Schmid (SPD) kam die Gruppe gelegen, denn der wollte gleich wissen, wo denn dieses Wellheim liege, dort müsse er nämlich hin. Ach ja, es war ja Wahlkampf. Da schwirrten die Politiker durch die bayerischen  Lande. Gut so, denn der Plenarsaal der Volksvertreter war leer. Die Ingolstädter Vertriebenen und Aussiedleer konnten tagen.

Ingolstädter BdV-Mitglieder im
Maximilianeum -
am Rednerpult: Hermann Regensburger
Herman Regensburger begrüßte vom Rednerpult die Besucher und ließ auch jeden gleich wissen, in wessen Fraktionsrevier er sich befindet. Da saßen dann einige auf Plätzen, die sie als Abgeordnete bestimmt nicht einnehmen würden.

Der Staatssekretär gab einen kurzen Überblick über die Tätigkeit des Parlaments, dessen Schwerpunkt in den von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenen Sitzungen der zwölf Ausschüsse und der Parlamentarischen Kontrollkommission zu suchen sei. In der Vollversammlung findet aber das von den Medien so geschätzte Aufeinanderprallen von Meinungen und Interessen statt. Von Journalisten war jedoch an diesem Nachmittag weit und breit keine Spur. Also konnte man ganz ungeniert fragen. Der Kommunal- und Landespolitiker Hermann Regensburger stand Rede und Antwort.

Wie steht’s um das Kulturhaus der Banater Schwaben in Ingolstadt? Warum wird die Kulturarbeit der Ausländer in Ingolstadt höher bezuschusst als die der Vertriebenen und Aussiedler? Wieso erfährt der deutsche Bürger stets mehr über geschädigte Demonstranten (oft auch gewalttätige Ausländer) als über lädierte Polizisten? Woran liegt es, dass man den rumänischen Burschen mit der Safekleptomanie nicht endlich das Handwerk legen kann? …

Diese und andere Fragen haben den „alten“ Polithasen Regensburger (55) natürlich keinen Moment in Verlegenheit gebracht. Alles in Butter, mit kleinen Abstrichen und unvermeidbaren Problemen. Es kann sowieso niemand jedem recht machen. Optimismus regelt zwar keine Probleme, hält den Glauben an ihre Lösung aber aufrecht. Das ist doch auch schon etwas.

Hermann Regensburger nahm sich noch die Zeit, um seine Gäste durch die geschichtsträchtig bemalten Räume des Maximilianeums zu führen. Zwischen 1852 und 1874 wurde das Maximilianeum zum Zweck der „Hebung des monarchischen nationalen Volksgeistes“ von Maximilian II. von Bayern errichtet. Obwohl das imposante Bauwerk „auf der Isarhöhe bei München“ erst zehn Jahre nach dem Tode des Monarchen seiner Bestimmung übergeben wurde, blieb es bis heute mit seinem Namen verbunden, wenn auch der „monarchisch nationale Volksgeist“ mittlerweile einem parlamentarischen Mitbestimmungsgeist weichen musste. Ursprünglich nur als „Atheneum“ für eine Stiftung, die das hehre Ziel hatte, „talentvollen bayerischen Jünglingen (jeglichen Standes) die Erreichung jener Stufe wissenschaftlicher und geistiger Ausbildung zu erleichtern, welche zur Lösung der höheren Aufgaben des Staatsdienstes erforderlich ist“, gedacht, beherbergt das Maximilianeum seit 1949 den bayerischen Landtag, während die „talentvollen bayerischen Jünglinge“ im Max-Josef-Stift wohnen.

Heimfahrten von Tagesreisen oder Informationsfahrten sind ja nicht immer der Fröhlichkeit letzter Schluß. Man hat eben das Schöne, Reizvolle, Informative, einfach das Neue bereits hinter sich und fährt dem Alltag entgegen. Diesmal war auch die Rückfahrt der Ingolstädter BdVler von ihrem interessanten Landtagsbesuch von guter Stimmung geprägt. Begriffe wie Kumulieren, Panaschieren, Zusammenzählen  - wobei die „3“ zu besonderen Ehren kam -, CSU, SPD, FDP, Grüne prägten die Diskussionen. Wer dabei Schlechtes denkt, sollte wissen, dass Ingolstädter Vertriebene und Aussiedler nichts von Wortungetümen wie „Kommunalwahlwerbefahrt“ halten. Politisch interessiert sind sie aber allemal.

Anton Potche

aus BANATER POST, München, 20. April 1996