Dienstag, 12. Dezember 2017

Im Handumdrehen ein Stück weiter

Zum Artikel Chefetagen deutscher Unternehmer müssen internationaler werden, in der Ausgabe vom 30./31. März 1996:
Fremde, oft exotisch klingende Namen in deutschen Chefetagen erleichtern zweifelsohne die angestrebte Internationalisierung der Konzerne. Sie vereinfachen aber vor allem die Verlagerung der hier in Jahrzehnten gewachsenen Arbeit. Diesen fremden Managern fehlt die Bodenständigkeit einheimischer Führungskräfte. Standortvor- oder –nachteile können sich nach ihrem Wirtschaftsverständnis ohne Appell ans eigene Gewissen in leblosen Zahlen, sogenannten Wirtschaftsfaktoren, ausdrücken lassen. Schon wegen einigen Millionen Mark – bei Milliardenumsätzen ist das eine in ihrer Bedeutung oft relativierbare Größe – werden Tausende von Arbeitsplätzen einfach gestrichen. Das ist leichter zu bewerkstelligen, wenn man für die Menschenschicksale, die sich hinter diesen Produktionsverlagerungen verbergen, persönlich nichts empfindet.
Durch diese Personalentwicklung in den Konzernzentralen werden auch schon die Weichen für die Zukunft gestellt. Sollte zum Beispiel eines Tages der Standort Ungarn zu teuer werden, kann man mit einer von Moralprinzipien unbelasteten Managercrew im Handumdrehen ein Stückchen weiter nach Osten oder auf einen anderen Kontinent ziehen. Was zurückbleibt ist immer das gleiche Elendsbild, ganz gleich ob hier oder anderswo: Menschen in Angst um ihre Zukunft.
Anton Potche

aus DONAUKURIER, Ingolstadt, 4./5. April 1996

Dienstag, 5. Dezember 2017

Dienstag, 28. November 2017

Festival der Bergsaudörfer

Fotos: Michael Vastag
Blasmusik, Volkstänze und gute Stimmung gab es beim ersten Festival der Bergsaudörfer, das – wie berichtet – im Pionierlager bei Bogda stattfand. Mehr als 1000 Gäste von nah und fern hatten sich hier eingefunden, und alle kamen auf ihre Rechnung, denn rund 300 Laienspieler aus Bogda, Mașloc, Fibiș, Pișchia, Jahrmarkrt sowie Ensembles aus Temeswar und Dumbrăvița boten ein abwechslungsreiches Programm. Reichen Beifall erntete die Blaskapelle aus Jahrmarkt (Bild oben), die unter Prof. Mathias Loris mehrere Stücke, u. a. von George Enescu und Johann Strauß, vortrug und am Spätnachmittag auch ein Platzkonzert gab. Gut gefallen hat auch der von Kindergärtnerin Erika Maurer einstudierte und von Jugendlichen aus Pișchia vorgeführte Bändertanz (Bild unten). Alles in allem ein gelungenes Fest, bei dem es auch an Würstchen, Bier und Süßigkeiten nicht fehlte.

aus NEUER WEG, Bukarest, 24. September 1980

Dienstag, 21. November 2017

Blasmusik – deutsches Kulturgut

Die Donauschwaben haben immer zu ihrer Förderung beigetragen
Blasmusikliebhaber werden oft für ihren Geschmack belächelt. Andersdenkende – ob das auch immer Andersfühlende oder nur Scheingebildete sind, ist nur schwer zu erkennen – stellen sich oft in ihren Äußerungen zum Thema Musik mindestens eine Stufe über jene Menschen, die Blasmusik gerne hören. Warum nur, warum ist man altmodisch, ja sogar primitiv, ungebildet, wenn einem so eine Musik gefällt? Rock, Pop – heißt, zeitgemäß leben, Klassik – heißt, gebildet sein. Und wir, die Millionen anderen, die Musik nicht als Modeströmung empfinden oder als Bildungsstandard nach außen pflegen, die wir Musik nur als Gefühl aufnehmen, nach den ganz einfachen Kriterien schön oder nicht schön? Musik muß man nicht verstehen, man fühlt sich von ihr emotional berührt.
Musik, Lust fürs Ohr überschrieb SPIEGEL SPECIAL das Titelbild seiner Dezemberausgabe 1995. In kritischen Artikeln wird die deutsche Musikkultur unter die Lupe genommen und man liest dabei so klare Erkenntnisse wie: „Die deutschsprachige Kultur hat weder den Blues noch den Swing erfunden. Der Schlager wurzelt statt dessen in der Polka, im Walzer, im Rheinländer – und im Marsch, dessen Popularität freilich in (und unter) der deutschen Geschichte arg gelitten hat.“
Also genießen wir sie getrost weiter, unsere Walzer, Polkas, Rheinländer und Märsche, denn wir empfangen und verarbeiten dadurch bloß die natürlichen Impulse, die eine Kulturlandschaft, in die wir hineingeboren wurden, uns täglich als Ausdruck ihres Lebensmutes übermittelt. Diese Einstellung schließt natürlich eine kritische Betrachtung dieser Musikszene nicht aus. Wir müssen dankbar sein, daß es schon immer Künstler gab und gibt, die, trotz aller Wertschätzung für andere Kulturen, ihre Talente voll in den Dienst der heimischen Kultur stellen.
Ernst Mosch gehört zu diesen Männern, die die Musikszene Deutschlands seit 40 Jahren wesentlich beeinflusst haben. Sein außergewöhnliches Engagement für die Blasmusik schlägt sich nicht nur in 30 Millionen verkauften Tonträgern und in hunderttausenden Konzertbesuchern bei den Auftritten der Original Egerländer Musikanten nieder. Wer schon mal ein Mosch-Konzert besucht hat und die Begeisterung der jungen Menschen – oft in Vereinstrachten – beobachten konnte, wird mir wohl in der Annahme zustimmen, dass die derzeit in 9575 Kapellen musikalisch aktiven und passiven 1.288.458 Mitglieder der Bundesvereinigung Deutscher Blas- und Volksmusikverbände (BDBV) auch von Vorbildern wie Ernst Mosch und seine Original Egerländer Msikanten immer aufs neue motiviert werden.
Für die Deutschen in Südosteuropa war die Blasmusik ein wichtiges geistiges Bindeglied zum deutschen Sprachraum. Sie war es auch, die wesentlich die kulturelle Eigenart der Deutschen gegenüber den anderen Volksgruppen unterstrich. Das Gespür für die Blasmusik im allgemeinen und für die böhmische im besonderen ist den Deutschen Südosteuropas eigen und kann wohl auf die gemeinsame habsburgische Vergangenheit der Böhmen und Donauschwaben zurückgeführt werden. Darum ist es nicht verwunderlich, dass schon immer Donauschwaben auch bei den Original Egerländer Musikanten verpflichtet waren. Robert Rohr schreibt in seinem Buch Unser klingendes Erbe , Bd. II, von fünf Ungarndeutschen, die bei Ernst Mosch musizierten und erwähnt namentlich Stefan Koller (Flügelhorn) sowie Anton Schumacher (Trompete).
v. l.: Helmut Kassner, Hans Kaszner,
Ernst Mosch, Franz Tröster
Foto: Privat
Als Ernst Mosch anfangs der neunziger Jahre seine Kapelle massiv verjüngte, schafften vier Banater Schwaben die Eingliederung in die Reihen der allgemein als beste Blaskapelle der Welt gehandelten Original Egerländer Musikanten. Drei von ihnen kamen aus Jahrmarkt nach Deutschland. Hans Kaszner (geb. 1955) spielt Tenorhorn, Helmut Kassner (geb. 1961) Flügelhorn und Oswald Windrich (geb. 1966) Tuba. Der vierte im Bunde ist der aus Deutschbentscheck stammende Trompeter Franz Tröster (geb. 1962).
Oswald Windrich
Foto: Egerländer
Alle vier sind Berufsmusiker und widmen ihre Freizeit der Blasmusik. Sie leiten auch selbst Musikvereine und geben so ihre im Banat und in Deutschland erworbenen Blasmusikkentnisse an die heranwachsende Musikergeneration weiter. Sie wirken durch ihr Engagement in den Musikvereinen dem zu Unrecht schlechten Image der Blasmusik entgegen und tragen dazu bei, daß immer mehr der nach letzten Umfragen über zwei Millionen Kinder, die in Deutschland ein Instrument spielen, sich vorurteilsfrei zur Blasmusik bekennen werden.
Mark Jahr

aus DER DONAUSCHWABE, Aalen, 25. Februar 1996

Dienstag, 14. November 2017

Dienstag, 7. November 2017

Bogda / Blumental

Bei sonnigem Wetter und in einer malerischen Umgebung fand Sonntag an der Quelle Beregsăul-Bogda ein gelungenes Wiesenfest mit Blasmusik statt, das die Räte für politische Erziehung und sozialistische Kultur der Gemeinden Bogda und Blumental, innerhalb des Landesfestivals Cîntarea României veranstalteten. Die Promenadenkonzerte der Blaskapellen aus Jahrmrakt (Dirigent: Matthias Loris), Bruckenau (Manfred Loris) und Blumental (Peter Geiß) sowie die Darbietungen der Laienkünstler aus Fibisch, Igrisch, Dumbrăvița, Bogda und Temeswar (die Ensembles Timișul und Zora des Munizipalkulturhauses) wurden von den weit über 1000 Zuschauern reich mit Beifall belohnt. Applaus gab es auch für den schönen Bändertanz, den die Bruckenauer Tanzgruppe der Jugend unter der Leitung von Kindergärtnerin Erika Maurer gezeigt hat. Dieses erste Festival der Bergsau-Dörfer  – hervorragend organisiert – erwies sich als eine ausgezeichnete Initiative, die beispielgebend für die Heidedörfer ist.

aus NEUE BANATER ZEITUNG, Temeswar, 16. September 1980