Sonntag, 22. Januar 2012

Ein Priester nahm Abschied

Am 17. September fand in der Ingolstädter St.-Moritz-Kirche ein Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Martin Pauli statt.

Der Mensch und Priester Martin Pauli mußte oft in seinem bewegten Leben Abschied nehmen. Schon als junger Mann wurde er zusammen mit anderen 4500 Landsleuten aus seinem Batschkaer Geburtsort Batsch-Brestowatz vertrieben.

Nach dem Abitur, das er 1941 am erzbischöflichen Gymnasium in Travnik/Bosnien ablegte, folgte das Studium der Theologie in Kalversa und Steinamanger/Ungarn, in Graz und in Eichstätt. Nach seiner Priesterweihe am 15. August 1948 in Eichstätt begleitete er die Kaplanstelle in Wolferstedt bei Wemding, von 1953 bis 1957 die Kaplanstelle in der Pfarrei St. Moritz in Ingolstadt, dann folgte seine Berufung in die Diaspora-Gemeinde Wassertrüdingen am Hesselberg. Ab 1970 war Martin Pauli in der Pfarrei Heideck in Mittelfranken tätig und 1978 kam er wieder nach Ingolstadt, wo er zum zweiten Mal in der Pfarrei St. Moritz eine seelsorgerische Wirkungsstätte fand. Jede dieser Stationen seines Lebens bedeutete für Martin Pauli auch Abschied nehmen, Abschied von den Menschen, die ihm ihre Sorgen und Freuden anvertraut hatten, Abschied von vertrauten Orten, immer wieder auch Abschied von einer neu empfundenen Heimat.

St.Moritz - Ingolstadt
Der erste Abschied aber, jener gewaltsame Akt der Heimatvertreibung, wirkt auch heute noch in der Seele eines Menschen nach, der sich Güte, Barmherzigkeit, Verständnis- und Hilfsbereitschaft sowie uneingeschränkte Achtung vor Gott zu Lebenszielen gemacht hat. Wörtlich sagte Pfarrer Martin Pauli in seiner Abschiedspredigt: "Der Abschied von meiner donauschwäbischen Heimat hat in meinem Herzen tiefe Spuren hinterlassen."

Sein Bekenntnis zur Heimat bedeutete für ihn stets auch Wirken im Sinne der Kirche für Vertriebene und Aussiedler. In der Ingolstädter Zeitung vom 16./17. September war dazu zu lesen: "Von Anfang seines priesterlichen Wirkens an war sein Bestreben, der eingesessenen Bevölkerung gleichermaßen zu dienen wie den Heimatvertriebenen."

Die Verbundenheit des Seelsorgers mit den Vertriebenen zeigt auch die Zusage des Achtundsechzigjährigen, den Kirchweihgottesdienst der Banater Schwaben am 23. September und einen Festgottesdienst der Egerländer Gmoin im Oktober zu zelebrieren, obwohl er aus gesundheitlichen Gründen bereits seit dem 1. Juni im Ruhestand ist.
Anton Potche

aus BANATER POST, München, 20.Oktober 1989

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